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„Beifall, dieser Ausdruck ist zu schwach, sagen wir lieber Adorationstaumel“

Vorträge

„Beifall, dieser Ausdruck ist zu schwach, sagen wir lieber Adorationstaumel“

Fanny und Therese Elßler

9. Februar 2011, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

Fanny Elßler war  d i e  große Konkurrentin für Marie Taglioni und repräsentiert mit ihren charaktervollen Nationaltänzen, allen voran der berühmten „Cachucha“ aus dem Ballett „Le diable boiteux“ (1836), und mit ihren ausdrucksstarken Rolleninterpretationen die zweite, „irdische“ Seite des romantischen Balletts. Nicht von ungefähr hatte Théophile Gautier sie in Abgrenzung zur ätherischen „christlichen“ Marie Taglioni als „heidnische Ballerina“ bezeichnet und damit den fundamentalen Unterschied dieser beiden herausragenden Ballerinen des 19. Jahrhunderts benannt.

„Die Krone des Abends erhielt indeß Dlle. Fanny Elsler. Im Besitze der Gewalt eines mimischen Ausdruckes, wie wir ihn hier noch nie zu bewundern Gelegenheit hatten, fesselt ihre liebliche Erscheinung vom ersten Augenblicke an.
Reich an Feuer und Leben und Anmuth, kann man sagen, daß Auge und Fußspitze in Harmonie stehen, und dieß ist der Triumph der mimischen Tanzkunst, wenn sie selbst nicht bloße angeeignete Form seyn soll“ urteilte die Spenersche Zeitung 1830 anläßlich des ersten Berliner Gastspiels der noch jungen Tänzerin.

Louis Véron, von 1831 bis 1835 Direktor der Pariser Opéra, erkannte Fanny Elßlers Potential und nutzte die Rivalität der beiden Ballerinen im wahrsten Sinne des Wortes Gewinn bringend für sein Unternehmen. 1840 brach Fanny Elßler zu einer ausgedehnten, lukrativen Amerikatournee auf, die sie bis nach Havanna führte.

Fanny Elßler setzte in ihren dramatischen Rollenauffassungen der Giselle und der Esmeralda in den gleichnamigen Balletten oder auch als Lise in „La fille mal gardée“ Standards, die bis heute nachwirken.

Ihre hochgewachsene Schwester Therese stand ihr viele Jahre lang als Tanzpartnerin zur Seite (oft „en travestie“ in Männerrollen), choreographierte für sie aber auch Tänze und Ballette. So schuf Therese Elßler als erste Frau ein Ballett für die Pariser Opéra, „La Volière“ (1838).

Fanny Elßlers zeitweiliges Verhältnis mit dem über 45 Jahre älteren Friedrich von Gentz, dem engen Berater von Metternich, bildet die Grundlage vieler literarischer Verarbeitungen bis hin zu einer Operette mit Musik von Johann Strauß und mehreren Filmen.

 

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger