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„Ein holder, flücht'ger Feentraum, so schwebt sie aus dem Bühnenraum!“

Vorträge

„Ein holder, flücht'ger Feentraum, so schwebt sie aus dem Bühnenraum!“

Fanny Cerrito und Arthur Saint-Léon

4. Mai 2011, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

Fanny Cerrito, die mit Arthur Saint-Léon ein ähnliches beruflich und privat verbundenes Paar bildete wie Carlotta Grisi und Jules Perrot, bestach das Publikum durch ihren große Lebensfreude und Natürlichkeit ausstrahlenden Tanzstil und riss es europaweit zu einer wahren „Cerritomanie“ hin. Fanny Cerrito trat zudem schon früh auch als erfolgreiche Choreographin in Erscheinung und war nach Therese Elßler die erst zweite Frau, die an der Pariser Opéra ein Ballett choreographieren durfte.

 

Fanny Cerrito
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Arthur Saint-Léon war nicht nur einer der besten Tänzer seiner Generation, sondern auch ein versierter Violinspieler und er setzte diese Doppelbegabung in seinem Ballett „Le Violon du diable“ wirkungsvoll ein.

Beide bekamen die Macht des Londoner Publikums zu spüren: Fanny Cerrito, als ihr Debüt am Her Majesty's Theatre durch den als „Tamburini Row“ bekannt gewordenen Vorstellungsboykott (mit dem das Publikum vom Theatermanager das Neuengagement des Sängers erzwang) nicht stattfinden konnte - und Arthur Saint-Léon, als er sich öffentlich dafür entschuldigen musste, während einer Vorstellung auf ihm geltende Pöbeleien reagiert zu haben.

Arthur Saint-Léon war viele Jahre lang Ballettmeister in St. Petersburg (als Jules Perrots Nachfolger), und sein dort entstandenes Ballett „Das bucklige Pferdchen“ gilt als das erste Ballett, in dem ein Choreograph auf die große Fülle russischer Märchenmotive zurückgreift.

Von Arthur Saint-Léons choreographischem Oeuvre, dessen bekanntestes Werk „Coppélia“ ist,  hat sich nur der Pas de six aus dem Divertissement „La Vivandière“ im Original erhalten, und dies dank der von ihm entwickelten Tanznotation „Sténochorégraphie“.

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger