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„Eine duftende Feldblume auf der Aue des Tanzes!“

Vorträge

„Eine duftende Feldblume auf der Aue des Tanzes!“

Carlotta Grisi und Jules Perrot

15. März 2011, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

Carlotta Grisi gehörte wie Fanny Cerrito und Lucile Grahn zur zweiten Generation der romantischen Ballerinen, war sie doch neun Jahre jünger als Fanny Elßler und 15 Jahre jünger als Marie Taglioni. Taglioni und Elßler hatten den drei jüngeren Ballerinen den Weg bereitet, und diese konnten nun auf der Höhe ihrer Kräfte von einer großen Begeisterung des Publikums für das romantische Ballett profitieren. Allerdings bekamen sie am Ende ihrer jeweiligen Karrieren auch das in den westeuropäischen Metropolen schon wieder nachlassende Interesse an dieser Kunstform zu spüren.

Carlotta Grisi ging als erste Giselle und erste Esmeralda in die Ballettgeschichte ein, auch wenn Fanny Elßlers dramatischere Interpretation beider Rollen prägend wurde. Ein Berliner Kritiker verglich sie anlässlich ihres Gastspiels 1849 mit ihren Kolleginnen: „Wie sollen wir sie charakterisiren, ihren berühmten Vorgängerinnen gegenüber? Sie ist eine mittlere Proportionale aus Fanny Elsler, Fanny Cerritto und Lucile Grahn! Sie hat Eigenschaften von Allen, und mitunter die besten, und verschmilzt diese wieder zu einer ganz entschiedenen Individualität.“

Carlotta Grisi war Jules Perrots langjährige Muse (und Geliebte) und es war ein offenes Geheimnis, dass er ihre Tänze in „Giselle“ choreographiert hatte, auch wenn sein Name auf dem Besetzungszettel der Uraufführung fehlte.

 

Carlotta Grisi und Jules Perrot in der Polka
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Jules Perrot gilt als der wichtigste Choreograph des romantischen Balletts; und er war einer der besten und sprunggewaltigsten Tänzer seiner Zeit, was ihm den Namenszusatz „l'aérien“, der Fliegende, einbrachte. Ihm wird insbesondere die Entwicklung des sogenannten „Pas d'action“ zugeschrieben, in dem nun mit tänzerischen Mitteln (und nicht mehr als Pantomime) die Handlung vorangetrieben wird. Durch sein langjähriges Engagement als Ballettmeister in St. Petersburg verfestigte sich die balletthistorisch so überaus wichtige Verbindung Paris - St. Petersburg, ohne die viele Meisterwerke des romantischen Balletts und aus dessen Nachfolgezeit nicht bis heute tradiert worden wären.

Einerseits schuf Jules Perrot große dramatische Ballette wie „Alma“, „Ondine“, „Esmeralda“, „Eoline“, „Catarina“ und „Lalla Rookh“, andererseits legte er mit dem berühmten „Pas de quatre“, in dem 1845 Marie Taglioni, Carlotta Grisi, Fanny Cerrito und Lucile Grahn auftraten, den Grundstein für eine Serie ähnlicher spektakulärer Divertissements, in dem die herausragenden Ballerinen ihre Kunst zeigen konnten.

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger