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„Oftmals, liebliche Lucile, hast Du unser Aug' entzückt“

Vorträge

„Oftmals, liebliche Lucile, hast Du unser Aug' entzückt“

Lucile Grahn und August Bournonville

7. Juni 2011, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

„La Sylphide“ löste 1832 die Erfolgswelle des romantischen Balletts aus und ist auch heute noch fester Bestandteil des großen Ballettrepertoires - nun allerdings nicht mehr in der ursprünglichen Choreographie von Filippo Taglioni, sondern in August Bournonvilles Nachschöpfung aus dem Jahr 1836.

 

Lucile Grahn
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Bournonvilles erste Sylphide war Lucile Grahn, die mit dieser Rolle den Grundstein ihrer internationalen Karriere legte. Im Unfrieden von Bournonville geschieden, verließ sie bald Kopenhagen und setzte ihre Karriere in Paris, London und später an vielen deutsche Bühnen fort. In Paris bescheinigte man ihr, mit ihrer Interpretation der Sylphide (nun in der originalen Produktion) dem Ideal Marie Taglionis am Nächsten zu kommen. Ein Großteil ihres Repertoires, mit dem sie international gastierte und das sie dafür oftmals an den jeweiligen Bühnen auch einstudierte, stammte von Jules Perrot, der auch Werke eigens für sie geschaffen hatte, z.B. „Catarina, die Räubertochter“.

Lucile Grahn wirkte für mehrere Jahre als Ballettmeisterin in Leipzig und vor allem in München, wo sie ihr Vermögen in eine Stiftung zur Berufsausbildung von Jungen und Mädchen einbrachte. Lucile Grahn lebt literarisch als Ballerina aus Papier in Hans Christian Andersens Märchen „Der standhafte Zinnsoldat“ fort.

 

Lucile Grahns Grab auf dem Alten Nördlichen Friedhof in München
(Foto: Frank-Rüdiger Berger)

 

August Bournonville war über viele Jahrzehnte hinweg die dominierende Figur im dänischen Ballettleben, das seither in einzigartiger Weise seine Werke und den von ihm entwickelten Tanzstil tradiert. In vielen seiner Ballette, in denen die Pantomime einen großen Stellenwert hat, widmete sich August Bournonville nordischen Themen (z.B. „Eine Volkssage“), andererseits stand, im effektvollen Kontrast dazu, vielfach Italien im Zentrum seiner Werke, so z.B. in „Napoli“. In späteren Jahren inszenierte er als Leiter des Königlichen Theaters in Stockholm aber auch Schauspiel und Oper.

Anders als viele seiner Kollegen hinterließ August Bournonville ein umfangreiches schrifltiches Oeuvre, das einen breitgestreuten Einblick in die dänischen und europäischen Theaterverhältnisse und in das kulturelle Leben seiner Zeit erlaubt.

„Schwanensee" (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger