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Eine Ballerina in der Hölle

Vorträge

Eine Ballerina in der Hölle

Literarische Anmerkungen zur Tänzerin des 19. Jahrhunderts

17. Oktober 2011, FVB Montagskultur, Freie Volksbühne Berlin

Die Kunstform Ballett war im 19. Jahrhundert äußerst populär und wurde insbesondere für Literaten in den Hochburgen des „romantischen Balletts“, also in Paris und London, zu einem beliebten Thema. Mal stand dabei das Schicksal einer (fiktiven) Ballerina im Vordergrund, mal wurde mit Bühnenklatsch und -tratsch die voyeuristische Neugierde des Publikums bedient.

Honoré Balzac z.B. beschreibt in seiner Erzählung „Komödianten, ohne es zu wissen“ (1846) sehr anschaulich die hierarchische Ordnung der Pariser Ballettcompagnie; und Ernest Feydeau stellt Anfang der 1860er Jahre seinem Roman „Ein erstes Auftreten in der Oper“ einen kurzen Abriss des romantischen Balletts und einen Einblick in die Verhältnisse an der Pariser Opéra voran. Eine Tänzerin steht auch im Mittelpunkt von Balzacs Erzählung „Sara, die Tänzerin“ von 1832: Da sie dem väterlichen Wunsch getrotzt hat und Tänzerin geworden ist, erleidet Sara in der Hölle die schlimmste für eine Künstlerin denkbare Qual: ihrem Auftritt bei einem höllischen Theaterspektakel schlägt eisiges Schweigen entgegen!

Eine zeittypische Form der Verehrung waren Huldigungsgedichte, in denen der jeweilige Verfasser seine Begeisterung für eine Tänzerin ausdrückte und die er z.B. in Zeitungen veröffentlichen ließ oder im Opernhaus verteilte.

„Schwanensee" (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger