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Er machte das Ballett gesellschaftsfähig.

Publikationen

Er machte das Ballett gesellschaftsfähig.

Zur Erinnerung an den Berliner Choreographen Paul Taglioni, der heute vor 125 Jahren gestorben ist.

in: Berliner Morgenpost, 6. Januar 2009, S. 16

Ein Auszug:

„Seine Phantasie ist unerschöpflich, und die Ballabile’s aller lebenden Balletmeister werden von den seinigen wie Messing vom Golde überwogen“ (Wilhelm Beer an Giacomo Meyerbeer). Heute vor 125 Jahren, am 6. Januar 1884, starb Paul Taglioni, der Bruder der berühmten Ballerina Marie Taglioni und wichtigster Berliner Choreograph und Ballettdirektor des 19. Jahrhunderts.

In den über 50 Jahren von 1829 bis 1883, in denen Paul Taglioni als Solotänzer, Choreograph und Ballettdirektor das Berliner Ballett prägte, brachte er dieses zu ungeahnter und heute fast vergessener Blüte. Mit Stolz konnte er am Ende seiner Karriere auf die Emanzipation des Balletts zurückblicken: sein fantastisches Ballett „Satanella“ von 1852, in dem eine verführerische Teufelin einen armen Studenten ins Unglück stürzt, gilt als eins der ersten abendfüllenden Ballette überhaupt.

Paul Taglioni brachte seine Werke mit spektakulärer Prachtentfaltung auf die Bühne. Sie dienten damit gleichermaßen der Repräsentation des preußischen Königshauses wie auch dem Unterhaltungsverlangen des Publikums in oft schwierigen, von Industrialisierung und Kapitalismus, von Revolutionen und Kriegen geprägten Zeiten. (…)

„La Sylphide“ (Ch.: Peter Schaufuss nach Bournonville), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger