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Marie Hölcke (1832-1860)

Vorträge

Marie Hölcke (1832-1860)

Zum Schicksal einer Berliner Tänzerin

18. April 2012, IV. International Dance Summit, Staatsballett Berlin

Die Berliner Figurantin Marie Hölcke (1832-1860) erlitt ein im 19. Jahrhundert tragischerweise nicht untypisches Schicksal: Sie wurde auf der Bühne ein Opfer der Flammen und starb an ihren Verbrennungen.

 

(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Die Einführung des Gaslichts im Theater erlaubte bis dahin ungeahnte Beleuchtungseffekte, wie z.B. das gleichzeitige Dimmen von mehreren Lampen durch die Regelung der Gaszufuhr. Sie konnte aber eine alltägliche Gefahr für die auf der Bühne Beschäftigten noch nicht ausschließen: die Brandgefahr. Gerade Tänzerinnen erlitten immer wieder schwerste Verbrennungen, da sich ihre leichten, luftigen Gewänder an den Gasflammen hinter den Kulissen entzündeten.

Das wohl bekannteste Opfer ist Marie Taglionis Schülerin Emma Livry, deren Kostüm 1862 bei einer Probe zur Oper „La muette de Portici“ an der Pariser Opéra Feuer fing. Sie hatte es abgelehnt, ihr Kostüm mit einem in Paris bereits verpflichtend eingeführten Mittel zu imprägnieren, da diese Flüssigkeit die Stoffe steif und unansehnlich machte.

Die Berliner Gruppentänzerin Marie Hölcke erlitt 1860 ein ähnliches Schicksal, als sich ihr Kleid noch vor Beginn der Venusberg-Szene einer „Tannhäuser“-Aufführung, in der sie eingesetzt war, an einer Lampe entzündete. Sie starb wenige Tage später. Die Zeitungen berichteten mit großer Anteilnahme über das Unglück und in einem Leserbrief wurde die „Asbestisirung der Balletcostüme“ gefordert. Der Prinzregent (der spätere König Wilhelm I.) gewährte Maries Mutter die Fortzahlung des Gehalts ihrer Tochter als lebenslange Pension.

Marie Hölcke erhielt einen bescheidenen literarischen Nachruhm durch Helene von Hülsen, die Gattin des Intendantin Botho von Hülsen. Diese verarbeitete Marie Hölckes Schicksal in ihrer 1872 erschienenen Erzählung „Frieda“ und berichtete zudem ausführlich in ihren Erinnerungen an Botho von Hülsen darüber.

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger