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Tochter und Vater I

Vorträge

Tochter und Vater I

Marie und Filippo Taglioni

17. November 2010, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

Die Familie Taglioni darf wohl als die zentrale Ballettfamilie des 19. Jahrhunderts gelten, die über mehrere Generationen hinweg europaweit tänzerisch und choreographisch wirkte.

Marie Taglioni gilt als  d i e  Ikone des romantischen Balletts: Ihre für damalige Verhältnisse außergewöhnlich weit entwickelte Fähigkeit auf Spitze zu tanzen, und die Tatsache, dass sie diese Tanztechnik nicht wie andere Tänzerinnen als virtuoses Kunststückchen, sondern im Dienste der poetischen Aussage des Balletts einsetzte, geben ihr den Ehrenplatz in der Reihe der berühmten Ballerinen des 19. Jahrhunderts.

 

Marie Taglioni
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Ihr Vater Filippo schuf 1832 in Paris mit dem Ballett „La Sylphide“ das Schlüsselwerk des romantischen Balletts, an dessen Gegenüberstellung von realer Welt und einer wie auch immer gearteten irrealen Welt sich die Choreographen in unzähligen Werken bis zum Ende des 19. Jahrhunderts orientierten.

Marie und ihr Vater bildeten eine symbiotische Partnerschaft, die bis fast zum Ende ihrer Karrieren dauerte: Marie tanzte so gut wie nie in Tänzen oder Balletten anderer Choreographen - ihre Teilnahme an Jules Perrots berühmten „Pas de quatre“ 1845 in London gehört zu den wenigen Ausnahmen.

Ihre reine Aura, mit der sie die verschiedenen Elfenwesen porträtierte, ließ Théophile Gautier Marie als „christliche Ballerina“ bezeichnen, wohingegen er ihre große Konkurrentin Fanny Elßler, die mit charaktervollen Nationaltänzen die andere Seite des romantischen Balletts verkörperte, als „heidnische Ballerina“ apostrophierte.

Marie beendete ihre Karriere als Tänzerin 1847 in London, Filippo seine als Ballettmeister 1853 in Warschau.

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger