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Tochter und Vater II

Vorträge

Tochter und Vater II

Marie d.J. und Paul Taglioni

7. Dezember 2010, Apropos Ballett, Staatsballett Berlin

Zusammenfassung:

Paul Taglioni und seine Tochter Marie (Marie d.J.) bilden ein ähnlich symbiotisches Vater-Tochter-Gespann wie sein Vater Filippo und seine Schwester Marie, die berühmte romantische Ballerina.

Paul Taglioni gab, an der Seite seiner Schwester, 1825 sein tänzerisches Debüt in Stuttgart. Im Herbst 1829 trat er ein Engagement in Berlin an, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1883 wirkte - zunächst als Solotänzer, später als Ballettmeister und dann als Ballettdirektor. 1830 heiratete er die Berliner Solotänzerin Amalie Galster.

Paul Taglioni begann schon bald zu choreographieren und wurde ab 1847 für mehrere Opernsaisons als Ballettmeister ans Londoner Her Majesty's Theatre verpflichtet. Einige seiner dort entstandenen Werke arbeitete er später für Berlin um.

In London debütierte auch seine Tochter Marie als Tänzerin in seinem Undine-Ballett „Coralia“ (1847), bevor sie im Herbst desselben Jahres erstmals in Berlin auftrat. Wie ihre Tante tanzte auch Marie d.J. bis zu ihrer Pensionierung 1866 fast ausschließlich in Balletten ihres Vaters. Paul Taglioni wurde gelegentlich öffentlich dafür kritisiert, seine machtvolle Stellung in Berlin zu Gunsten seiner Tochter auszunutzen, so dass es für gastierende Tänzerinnen kaum Auftrittsmöglichkeiten am Königlichen Opernhaus gab.

Marie Taglioni d.J. als Satanella
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

Paul Taglionis erfolgreichste Ballette, allen voran „Satanella“ (1852) und „Flick und Flock“ (1858), erreichten in Berlin und anderen Städten z.T. für das Ballett außergewöhnlich hohe Aufführungszahlen: „Satanella“ gab man in Berlin über 200 Mal und „Flick und Flock“  wurde dort über 450 Mal gespielt, zudem je über 200 Mal in London und Wien, je 100 Mal in Mailand und Warschau sowie dutzende Male in Florenz, Turin, Neapel und Venedig.

Paul Taglioni zeichnete sich einerseits choreographisch durch großangelegte Tänze für das Corps de ballet aus, andererseits wusste er in seinen Werken auch bühnentechnische Effekte wirkungsvoll einzusetzen. So war sein Ballett „Electra" (London 1849) das erste Ballett, in dem elektrisches Licht verwendet wurde. Dabei entging Paul Taglioni aber in späteren Jahren wohl nicht immer der Gefahr, dass sich seine Werke mehr und mehr einem Ausstattungsspektakel annäherten.

 

Ballettlibretto zu „Flick und Flock“
(Slg. Frank-Rüdiger Berger)

 

 

„Schwanensee“ (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger