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Von verzauberten Schwänen, stacheligen Rosen und einem folgenreichen Weihnachtsgeschenk.

Vorträge

Von verzauberten Schwänen, stacheligen Rosen und einem folgenreichen Weihnachtsgeschenk.

Die Ballette von Peter Iljitsch Tschaikowsky.

28. September 2009, FVB Montagskultur, Freie Volksbühne Berlin

Zusammenfassung:

Mit „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“ schrieb Peter Iljitsch Tschaikowsky Ballette, die heutzutage weltweit zum Kernrepertoire der Ballett-Compagnien gehören, und für viele Kinder bildet „Der Nussknacker" wohl das erste Balletterlebnis.

Erstaunlich aus heutiger Sicht ist, dass seine für uns so tänzerisch anmutende Musik zu Tschaikowskys Lebzeiten oft als für Ballett ungeeignet empfunden wurden. „Ballettmusik“, das war die Musik von Ludwig Minkus und seinen Kollegen, die es meisterlich verstanden, den Wünschen und Vorgaben der Choreographen und der Tänzer musikalisch zu entsprechen - eine Partitur wie die zu „Schwanensee“ mit ihren ausgefeilten Motiven und inneren Bezügen zwischen den Tonarten entsprach nicht der Erwartung.

Von Tschaikowskys drei Balletten wurde „Dornröschen“ im Laufe der Zeit vielleicht am wenigsten geändert. Die bekannte Märchengeschichte wird im Grunde musikalisch und inhaltlich nach wie vor so dargeboten wie sie ursprünglich konzipiert war.

„Schwanensee“ hingegen wurde bereits 1877 in der vierten Aufführung musikalisch und choreographisch verändert, und die berühmte Fassung von Marius Petipa und Lew Iwanow von 1895, auf die sich bis heute der Großteil der Einstudierungen dieses Balletts bezieht, enthält neben inhaltlichen Veränderungen vor allem starke musikalische Eingriffe in Tschaikowskys Partitur.

„Der Nussknacker“ mit seiner problematischen Struktur (wenig Tänze im ersten Akt, kaum Handlung im zweiten Akt) bot ebenfalls Anlass zu zahlreichen Neugestaltungen, die hier meist inhaltlicher Art waren: Angefangen von der Interpretation der fantastischen Ereignisse als Claras Traum (was nicht im ursprünglichen Libretto steht) über die Einarbeitung anderer literarischer Vorlagen (Mark Morris, Youri Vámos) bis hin zur Ausarbeitung eines völlig neuen Librettos (Graeme Murphy).

„Schwanensee" (Ch.: Patrice Bart nach Petipa u. Iwanow), Staatsballett Berlin; Foto © Frank-Rüdiger Berger